Ökonomische Anthropologie

Die Wirtschaftsanthropologie untersucht kulturell artikulierte Prozesse der Produktion, Distribution und Konsumption von Gütern und Dienstleistungen. Sie entstand in kritischer Auseinandersetzung mit der klassischen und neoklassischen Ökonomie. Deren Modelle versagten in der Erklärung des wirtschaftlichen Handelns in Wildbeuter- und traditionellen bäuerlichen Gesellschaften, da sich die wirtschaftlichen Akteure dort im Austausch nicht primär individuell nutzenmaximierend, sondern gleichzeitig beziehungsstiftend und -erhaltend verhielten. Damit formuliert die ökonomische Anthropologie eine fundamentale Kritik am vorherrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftsverständnis der Wirtschaftswissenschaften.

Die ökonomische Anthropologie versteht die Wirtschaft als gesellschaftlich eingebettet. Auch das wirtschaftliche Handeln des Einzelnen ist stets gesellschaftlich und institutionell geregelt. Neben nicht-geldvermittelten Wirtschaftssystemen interessieren sich WirtschaftsanthropologInnen für traditionelle Marktsysteme und für die Verflechtungen zwischen nichtkapitalistischen und kapitalistischen Ökonomien.

Zentrale Untersuchungsgegenstände sind Haushalte, Verwandtschaftsgruppen und kooperierende Verbände wie Jagd- oder Weidegemeinschaften. Des Weiteren beschäftigt sich die ökonomische Anthropologie mit Themen wie gesellschaftlicher und geschlechtlicher Arbeitsteilung, Ausbeutungs- und Machtbeziehungen, Schuld und Schulden, status-sanktionierende Zahlungsmittel und Geld, sowie mit der Funktion von Märkten und Eigentumsbeziehungen in einer zunehmend globalisierten Welt.

Die ökonomische Anthropologie kann als Schwerpunkt je nach Fragestellung sowohl im MASA als auch im ATS studiert werden.