SCALES

Regulierung von kollektiven Ressourcen im Wandel: Bürgergemeinden, Bourgeoisies und Patriziati in der Schweiz (1750 bis heute)

Sustainable Commons Adaptations to Landscape Ecosystems in Switzerland (SCALES). Institutional Change, Constitutional Innovations and Public Policies in Swiss Resource Management

Interdisziplinäres Forschungsprojekt (Sozialanthropologie, Geschichte, Politologie, Humangeographie, Ökonomie)

Projektdauer: 2017-2019, Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Verlosung des Holznutzens (Sigriswil 1946, Ernst Brunner, Archiv für Volkskunde, Basel)
Linkes Bild: Verlosung des Holznutzens (Sigriswil 1946, Ernst Brunner, Archiv für Volkskunde, Basel). Rechtes Bild: Gebiet der Korporation Wilder Bann (Südliches Weissbachtal, Appenzell IR, aus: Inauen 2009).

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt SCALES untersucht Kontinuitäten und Wandel in der Regulierung von Allmend-Ressourcen (engl. Commons) wie Weiden und Wälder. Das Projekt interessiert sich für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Regelwerke und Organisationsformen (Bürgergemeinden, Korporationen, Genossenschaften), in denen kollektives Eigentum bis heute verwaltet und genutzt wird und damit die Kulturlandschaft prägt. Das Projekt setzt zeitlich im 18. Jahrhundert ein und betrachtet die Zeitspanne bis in die Gegenwart. Es bezieht sich auf die Arbeit des US-Sozialanthropologen Robert Netting über die kommunale Ressourcenverwaltung in der Schweiz am Beispiel von Törbel (Wallis), die von der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom (1990) aufgegriffen und neben anderen Fällen als Beweis aufgeführt wurde, dass Menschen nachhaltige und dauerhaft funktionierende Allmend-Institutionen entwickeln können. In den letzten 300 Jahren und insbesondere im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben die Land- und Forstwirtschaft jedoch tiefgreifende Veränderungen erlebt, die im politischen, ökonomischen und institutionellen/rechtlichen Wandel ihre Wurzeln haben. Wie haben die Körperschaften des kollektiven Eigentums auf diese Herausforderungen reagiert? Welches waren und sind die Bedingungen dafür, dass lokal adaptierte Nutzungskonzepte entwickelt wurden und auch in Zukunft umgesetzt werden können?

Diese breite und international diskutierte Fragestellung wird durch eine interdisziplinäre Gruppe von Postdoc-Forschenden aus den Fachbereichen Sozialanthropologie, Geschichte, Politikwissenschaft und Humangeographie sowie ergänzenden Masterarbeiten u.a. aus der Agrar-Ökonomie und Wirtschaftsanthropologie untersucht. Anhand von fünf Forschungsregionen im Alpen- und Voralpenraum der deutschen, französischen und italienischen Schweiz wollen wir einen vertieften Einblick in Robustheit, Wandel und Innovation von Institutionen des Kollektivressourcenmanagements gewinnen. Einen Schwerpunkt bilden dabei die lokalen Sichtweisen auf das kollektive Eigentum sowie die Wahrnehmung des strukturellen Wandels und die dadurch geforderte innovative Transformation von Regelwerken. Zudem wird untersucht, wie die Veränderungen im Management der Allmend-Ressourcen in kantonale und staatliche Strukturen eingebunden sind.