Ökologische Anthropologie

Die ökologische Anthropologie versteht Umwelt nicht als reine Natur, an die sich Menschen anpassen, sondern als von Menschen immer schon auf kulturspezifische Weise wahrgenommene, gedeutete und transformierte Mitwelt, die ihrerseits auf die Menschen einwirkt.

In ihren Anfängen in den 1940er Jahren ging die ökologische Anthropologie von der Beobachtung aus, dass vorindustrielle Gesellschaften in ähnlichen Umwelten tendenziell ähnliche Sozialstrukturen aufweisen. Sie erklärte diese Übereinstimmungen damit, dass traditionelle Gesellschaften ihre Subsistenzweisen optimal an ihre Umwelten anpassen. Gruppeninterne Arbeitsteilungen in der Ressourcenbewirtschaftung tragen dabei ebenso zur Sozialstruktur bei wie – oft kriegerische – Auseinandersetzungen um Ressourcen zwischen benachbarten Gruppen.

Heute untersucht die ökologische Anthropologie unter anderem, wie traditionelle Regelungen der Ressourcennutzungen von staatlichen Souveränitätsansprüchen und tendenziell globalen Marktkräften immer mehr in Frage gestellt oder ganz ausser Kraft gesetzt werden. Sie untersucht dabei, wie indigene und zugewanderte Gruppen, staatliche und privatwirtschaftliche Akteure ihre jeweiligen Nutzungsansprüche an Ressourcen wie Land, Wald, Wasser usw. mit Bezug auf konkurrierende Werte- und Rechtssysteme aushandeln. Von Besonderem Interesse ist dabei, wie sich traditionelle Gesellschaften im Zuge dieser Auseinandersetzungen verändern.

Die ökologische Anthropologie vertritt eine ganzheitliche Herangehensweise an Gesellschaft-Umweltbeziehungen und kann daher mit ökonomisch-anthropologischen, rechtsanthropologischen aber auch religionsanthropologischen Fragestellungen kombiniert werden und ist deshalb in allen drei Masterprogrammen vertreten.