Anna-Lena Wolf ist Sozial- und Kulturanthropologin mit einem Forschungsschwerpunkt an der Schnittstelle von Recht, Politik und Religion. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit alltäglichen Gerechtigkeitsvorstellungen, Rechtstransformationen, Aktivismus und positiver Diskriminierung, Fragen der Dekolonialisierung globaler Rechtsordnungen sowie mit (mehr-als-)menschlicher Handlungsfähigkeit.

Derzeit ist Anna-Lena Wolf Lehrbeauftragte am Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern, assoziierte Forscherin am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung und Mitglied des DFG-Netzwerks Recht im Anthropozän. Zuvor war sie Postdoktorandin und Dozentin am Seminar für Ethnologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo sie ihre ethnographische Habilitationsforschung zu Transformationen im katholischen Kirchenrecht in zentralen Institutionen des Heiligen Stuhls – der ältesten globalen Bürokratie – in Rom durchführte.

Ihre Promotion absolvierte Anna-Lena Wolf an der Universität Bern. Darin analysierte sie, wie alltägliche Gerechtigkeitsvorstellungen auf Teeplantagen im nordostindischen Bundesstaat Assam im Kontext einer umfassenden indischen Arbeitsrechtsreform ausgehandelt werden. Auf dieser Forschung basiert ihre Monografie Labor on the Line (Cornell University Press, 2025), in der sie unterschiedliche Funktionsweisen von Gerechtigkeit herausarbeitet, um das Verhältnis zwischen Gerechtigkeitsvorstellungen und Handlungsfähigkeiten analytisch zu erfassen. Weitere Forschungsergebnisse erschienen u. a. in Anthropology and Humanism, Anthropology of Work Review und Public Anthropologist.

Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem als Forschungsresidentin an das Istituto Svizzero di Roma sowie als Gastwissenschaftlerin an das Center for the Study of Law & Governance der Jawaharlal Nehru University in Delhi. Ihr Masterstudium in Ethnologie und Geschichte Südasiens schloss sie an der Universität Heidelberg mit Auszeichnung ab.

Anna-Lena Wolf verfügt über mehr als zehn Jahre Lehrerfahrung in der sozial- und kulturanthropologischen Lehre. Sie unterrichtet Einführungskurse zu Theorien, Geschichten und Methoden der Kultur- und Sozialanthropologie sowie thematisch spezifische Seminare zu Gerechtigkeit, positiver Diskriminierung, Menschenrechten, sozialen Bewegungen, religiösem Recht, Positionalität, moralischen Ökonomien sowie zu Fragen von Universalismus und kulturellem Relativismus.