Public Anthro Lab

Das Public Anthropology Lab (PAL) ist ein Pilotprojekt, das zwischen 2022 und 2025 neue Ansätze zur Analyse und Gestaltung kritischer öffentlicher Räume entwickelte und erforschte. Dazu setzt das PAL im Austausch mit anderen Formen der Wissensproduktion (Kunst, Aktivismus, Journalismus, etc.) öffentliche Austausch- und Vermittlungsformate um. In diesem Rahmen und in Zusammenarbeit mit Partner*innenprojekten sind folgende Arbeiten entstanden, die neue Wege ethnografischer Gesellschaftskritik erproben.

Klangbild

ist ein experimentelles Projekt von Kathrin Khanchanok Kemmler, das anhand der Ausstellung «Widerstände: Vom Umgang mit Rassismus in Bern» versucht, die Erzählungen von Menschen wahr und ernst zu nehmen. Die Autorin lässt sich von der Frage inspirieren, wie man Geschichte(n) mit anthropologischer Vorstellungskraft (ver)folgen und diese in verschiedenen Klanglandschaften aufspüren, verorten und vermitteln kann.

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Klangbild  0

Im ersten, autoethnografischen Klangstück befasst sich die Erzählerin damit, wie sie sich dem Diskurs über Rassismus in der Schweiz nähern kann. Ausgehend von persönlichen Anekdoten und anthropologischen Konzepten vertieft sie sich in die Frage, warum sie selbst während ihres ersten Jahres in der Schweiz unsensibilisiert gegenüber Rassismus und der kolonialen Vergangenheit war.

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Klangbild 1

Das zweite Klangbild stellt die Stimme und Reflexion von Aina Rea Aliotta, ausgebildet*er Kunstvermittler*in ins Zentrum, di*er ein halbes Jahr als Teil des Vermittlungsteams in der Wandbild-Ausstellung arbeitete. Anhand Aina Reas Analysen, Erkenntnissen und Hoffnungen werden die Zuhörer*innen eingeladen zu erforschen und zu erleben, was es bedeutet, inmitten von Menschen und Mauern zu leben, die erst langsam verlernen, rassistische Strukturen aufrechtzuerhalten. Eine audioethnografische Anregung dazu, neugierig, (selbst)kritisch, mitfühlend und transformativ zuzuhören.

Klangbild 1 auf Spotify 

Credits Musik Klangbilder
Osmosis – Xylo Ziko, Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
What’s on my mind – Julian Winter, Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
relaxed mood M99_30e – Setuniman, Lizenz: CC BY-NC 4.0
Galaxy Mood – Unlistenable, Lizenz: CC BY-NC 4.0
Quietus – Xylo Ziko, Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0
Lull – Xylo Ziko, Lizenz: CC

Erinnern in der Zukunft -  Geschichte(n) eines Wandbilds

Basierend auf dem Forum «Zuhause in der Diaspora: Das Wandbild ist weg – wie weiter?» vom 18. März 2025 in der Dampzentrale Bern setzt diese audioethnografische Arbeit von Cheryl Kubin Stimmen und Geschichten aus Verwaltung, Kunst, Forschung, Politik, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit zueinander in Beziehung. Die vielstimmmige Collage dokumentiert das Forum und analysiert gleichzeitig die diskursive und performative Logik, wie antirassistische Transformation rund um das Wandbild verhandelt wurde und wird.

Statement von Cheryl Kubin

Erinnern in der Zukunft auf Spotify 

ABC of Innocence

Wie fühlt und hört es sich an, wenn die unsichtbaren Mauern des Rassismus zu bröckeln beginnen und neue Stimmen in den Raum treten? Ausgehend von ihrer Praxis als Producerin untersucht Anaëlle Vögeli aka Semiotic Sakura die Klangwelt in der Ausstellung „Widerstände: Vom Umang mit Rassismus in Bern“. Im entstandenen Track entwickelt sie eine Mischung aus Sound, Noise und Musik, um zu analysieren und erfahrbar zu machen, wie im Wandbildprozess Machtverhältnisse verschoben wurden. In ihrem Statement ordnet sie ihre Praxis zwischen Anthropologie und Sound Research/Art ein.

Statement von Anaëlle Vögeli in Deutsch und Englisch

ABC auf Spotify 

 

Zwischen Trauma und Transformation: Reparieren, was sich nicht wieder gut machen lässt

Was passiert, wenn Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt über ähnliche Erfahrungen von historischem Unrecht und dessen Fortwirken sprechen? Und was kann daraus entstehen?

In diesem Podcast bringen Johanna Bühler und Sophia Schatz die Geschichte von Siedlungskolonialismus und kulturellem Genozid in Kanada zusammen mit der von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und der Verfolgung von Jenischen und Sinti in der Schweiz. Es geht um Geschichten von Gewalt, Verlust und den langen Weg der Aufarbeitung - aber auch um Solidarität, Zuhören und die Frage, wie und ob so etwas wie Heilung überhaupt möglich ist. Zu Wort kommen Mike Metatawabin, Deputy Grand Chief der Nishnawbe Aski Nation aus Kanada und Überlebender der Residential Schools in Kanada, Uschi Waser, Präsidentin der Stiftung Naschet Jenische und Zeitzeugin des sogenannten „Hilfswerks Kinder der Landstrasse“ in der Schweiz und Manuel Menrath, Historiker und Museumskurator. Wir fragen nicht nach einfachen Antworten. Stattdessen geht es um Verbindungen: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen verschiedenen Geschichten und zwischen Menschen, die merken, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind. Ein Podcast über das, was bleibt. Und darüber, was sich vielleicht trotzdem verändern lässt. "Ausgangspunkt für den Podcast war die Veranstaltung „From Trauma to Transformation: A transdisciplinary Workshop“ entstanden, die im Rahmen des PALs und des Festivals Arctic Voices stattfand." 

Dieser Podcast ist über 1,5 Jahre entstanden und wir würden einige Begriffe heute anders verwenden und historisch noch differenzierter arbeiten. Wir befinden uns in einem ständigen Lernprozess und sind für Feedback und Kritik jederzeit offen. Die folgenden Hinweise gehen auf wertvolle Rückmeldungen des Historikers Manuel Menrath zurück, für die wir uns herzlich bedanken:

  • Obwohl wir grundsätzlich auf gendergerechte Sprache geachtet haben, haben wir dies nicht konsequent umgesetzt und sprechen beispielsweise von «Siedlern» statt von «Siedler*innen». Rückblickend würden wir auch diesen Begriff gendern. Gerade im Kontext des Siedlerkolonialismus macht dies sichtbar, dass die koloniale Landnahme nicht nur von einzelnen Männern, sondern durch die Ansiedlung ganzer Familien und Gemeinschaften getragen wurde.
  • Im Podcast verwenden wir den im deutschsprachigen Raum geläufigen Begriff «Reservat». Heute würden wir stattdessen den Begriff «Reservation» verwenden. Dieser macht deutlicher, dass es sich um Gebiete handelt, die von den kolonialen Regierungen für die Nutzung durch First Nations bzw. Indigenous Peoples reserviert wurden. Der Begriff «Reservat» ist hingegen kolonial geprägt und weckt im Deutschen zudem Assoziationen mit Natur- und Tierschutzgebieten, wodurch die koloniale Geschichte dieser Gebiete sprachlich verdeckt werden kann

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