Nachruf Prof. em. Dr. Rupert Moser 2.6.1944 – 6.8.2026

Rupert Moser hat das Institut für Sozialanthropologie in Bern während Jahrzehnten mitgeprägt. Viele ehemalige Studierende haben seine Swahili-Sprachkurse belegt, bei ihm die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens gelernt und beispielsweise seine Einführungskurse in materielle Kultur, in die Anthropologie der Verwandtschaft und in die Religionsanthropologie besucht. Sein Unterrichtsstil war streng und manchmal etwas trocken, und doch übertrug sich seine Leidenschaft für das Fach. Nach den Veranstaltungen traf man sich mit ihm im Café Rudolf an der Monbijoustrasse, wo wir ihn als humorvollen und politisch engagierten Zeitgenossen kennenlernten.

Rupert Moser wurde vom Gründungsdirektor unseres Instituts, Walter Dostal, 1971 von Wien, wo er promoviert hatte, als Assistent nach Bern geholt. In seiner Zeit am Institut entwickelten sich die Studierendenzahlen in der Sozialanthropologe von wenigen Dutzend zu Hunderten. Da die Personalmittel aber erst zu Beginn der 1990er Jahre mit der Berufung Hans-Rudolf Wicker als zweitem Professor aufgestockt wurden, herrschten lange Zeit prekäre Betreuungsverhältnisse und die Angehörigen des Mittelbaus wie Rupert Moser wurden für die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs immer wichtiger. Nach der Wegberufung Walter Dostals 1975 leitete er, nunmehr als Oberassistent, während eines Jahres bis zur Berufung Wolfgang Marschalls den Institutsbetrieb.

Mit Ablauf seiner Oberassistenz habilitierte er sich 1981 mit einer ethnohistorischen und ethnolinguistischen Forschungsarbeit über die Ngoni in Tansania als Erster an unserem Institut. Es folgten Lehraufträge und Stellvertretungen in Fribourg, Mainz, Tübingen, Bern und Zürich sowie weitere Feldforschungen in Tansania. Daneben leistete er als Privatdozent weiter regelmässig Pflicht-Lehrveranstaltungen in Bern. Bis zur Emeritierung bot er seinen beliebten Sprachkurs in Swahili an. Er wurde 1995 zum Titularprofessor und 2008 zum Assoziierten Professor ernannt. Eine Berufung auf eine Professur blieb ihm jedoch verwehrt. Mit umso grösserem Engagement setzte er sich ab 1993 bis zu seiner Emeritierung als langjähriger Generalsekretär des Collegium generale für dessen Programmgestaltung und als Herausgeber für die Publikation der Vorträge in zahlreichen Bänden ein.

Zudem engagierte er sich während vieler Jahre als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei im Grossen Gemeinderat von Ostermundigen, den er während eines Jahres auch präsidierte. Hier reichte er 1999 den erfolgreichen Vorstoss ein, eine Strasse nach dem Arzt und Flüchtlingshelfer Peter Zuber zu benennen. Das Ostermundiger Ehepaar Heidi und Peter Zuber hatte in den 1980er Jahren Flüchtlinge versteckt, die in Kriegsgebiete hätten zurückgeschafft werden sollen und damit eine nationale Kontroverse ausgelöst. Mit der Ehrung nach Peter Zubers Tod sorgte Rupert Moser für ihre späte öffentliche Anerkennung und rief zugleich wirksam zum Widerstand gegen eine immer härter werdende Flüchtlingspolitik auf.

Die Angehörigen des Instituts für Sozialanthropologie werden Prof. em. Dr. Rupert Moser in ehrendem Andenken behalten.